March 4, 2008 Concert Review

"AmerikaWoche"—April 28, 2008

German Forum feiert 30 jähriges Bestehen mit Konzert

von Michaela Somme

New York, NY (awj) – Dass Deutsche stets pünktlich sind, ist sicher nach wie vor ein beliebtes Klischee. Wie um dieses Stereotyp noch zu bekräftigen, betrat Henry Meyer Oertel, Präsident des German Forum, am vergangenen Dienstagabend sogar noch einige Minuten vor 19 Uhr die „Bühne“ der St. Paul’s Church, um das zahlreich erschienene – übrigens bei weitem nicht nur deutsch-sprachige – Publikum zu be-grüβen und die vier Künstkler vorzustellen. Das Konzert markiere den Auftakt einiger weiterer hoc-hrangiger Veran-staltungen zu Feier des 30-jährigen Bestehens des German Forum im Jahr 2008, so Meyer-Oertel. Alsdann übergab er das Wort an Joseph Colaneri, seines Zeichens unter anderem Dirigent an der Metropolitan Opera und Künstlerischer Direktor der New School of Music. Colaneri gab zu jedem der zwölf Komponisten, deren Stücke (insgesamt 14) während des Konzerts vor-getragen werden sollten, eine kurze, aber prägnante Einführung.

Ein wenig wurde auch aus dem Nähkastchen geplaudert (so sei er besonders gespannt auf die Darbietung der Sopranistin Katharina Hagopian, die derzeit an „seinem“ Mannes College of Music studiert), insgesamt hieβ es jedoch: Nicht zuviel der Worte verlieren, sondern die Musik sprechen lassen. Einen fulminanten Auftakt lieferte daraufhin der Bremer Bariton Clemens Gnad – wie alle drei Solisten begleitet von der renommierten Pianistin und Künstlerischen Beraterin des German Forum Babette Hierholzer – mit gleich drei Schubert-Liedern, davon zwei (unter anderem „Der Linden-baum“ aus seiner berühmten „;Winterreise“. Weiter ging es mit dem Wunderkind des Abends, der gerade 18 Jahre alt gewordenen Johanna Pichlmair aus Wien. Dass die Nachwuchs-Violinistin den Wettbewerb „Prima la Musica“ ganze neun Mal in Folge gewonnen hat, schien nach ihrer gefühlvollen Vertonung des ersten Satzes der Beet-hoven’schen Kreutzer-Sonate  

(Adagio sostenuto - Presto) nur allzu nachvollziehbar. Auch die ursprünglich aus Mainz stammende Sopranistin Katharina Hagopian enttäuschte keinesfalls mit ihrer komischen wie glänzenden Umsetzung der beschwingten Arie „Nun eilt herbei“aus Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“. Es folgten unter anderem berühmte Arien und Variationen von Mozart, Schuhmann, Puccini oder Strauss, aber auch weniger bekannte Komponisten, wie etwa Samuel Barber mit seinem romantischen „Sure on this shining night“ oder der J.S.Mayr-Schuler Gaetano Donizetti kamen zu Gehör. Die drei jungen Künstler und ihre Begleiterin am Piano liefen ein ums andere Mal zur Höchstform auf. Somit war es auch kein Wunder, dass das Publikum am Ende restlos begeistert schien und zwischendurch immer wieder ein anerkennendes „Bravo!“ oder „Sehr gut!“ zu vernehmen war. Ein vierminutiges, von Sopranistin und Bariton vor-getragenes „Űberraschungs-

ständchen“ zu Ehren des anschlieβend tief gerührten GF-Prasidenten, setzte dem Ganzen die Krone auf. Als kleiner Wermutstropfen kann jedoch die Tatsache betrachtet werden, ass die hochtalentierte Johanna Pichlmair und ihre Violine mit zwei Auftritten vergleichsweise selten zum Einsatz kamen, während sich Hagopian und Gnad einen regelrechten Schlag-abtausch lieferten. Allerdings durfte das Nachwuchstalent die ganz groβe Karriere erst noch vor sich haben und man kann hoffen, dass ihr beeindruckende präzises Spiel am Dienstagabend auch hierzulande nicht zum letzten Mal gehört wurde. Ähnlich hoffnungs-voll auch der Ausblick, den Initiator Henry Meyer-Oertel ab-schlieβend gab: Bereits in zwei bis drei Monaten wird das German Forum erneut einen grandios besetzten Konzertabend veranstalten – Details blieben natürlich noch unterVerschluss. 

 

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